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Roland auf seinem 400. GipfelSachsens Schlösser und Burgen oder: Jahresletzte im Kleinen Zschand

Mehrmaliges Nachzählen mit leicht variierenden Ergebnissen hatte bei Roland dazu geführt, den Stand seines Kontos sächsischer Gipfel auf 398 festzulegen. Mit dieser unrunden Zahl konnte Selbstbetrug definitiv ausgeschlossen werden. Gleichzeitig nährte sie – möglicherweise nicht ganz unintendiert – den Wunsch, das alte Jahr mit glatten 400 Gipfeln abzuschließen.

Da ich zuletzt verletzungs- und krankheitsbedingt mehrfach passen musste (siehe Bericht: Sympathisanten am Angelhaken), war ich hoch erfreut, dass uns der Weg am ersten Dezemberwochenende noch einmal für einen Kurztrip nach Sachsen führen sollten. Auch Jörg hatte sich eingeklinkt. Damit waren wir in der gleichen Konstellation unterwegs, wie zu meiner Einführung zum „Boofen & Klettern" im Elbsandstein im Frühjahr 2008.

Freitag nach Feierabend machten wir uns bei Regen und im Dunkeln auf den Weg. Zum Essen waren wir wohlweislich schon in Pirna eingekehrt, denn wie Jahres- und Uhrzeit vermuten ließen, lag der Erwartungshorizont der Gastronomen im Kirnitzschtal weit vor unserer Ankunft. Aber nicht nur die Restaurants, nein auch das Tal selbst war bereits geschlossen. Mutig und voller Abendteuerlust ignorierten wir das Sackgassenschild in Bad Schandau und schlängelten uns durch den Nebel langsam die Kirnitzsch entlang. Kurz vor der Neumannmühle und dem anvisierten Parkplatz versperrte dann ein großer Bagger endgültig die Durchfahrt. Aber auch an der Felsenmühle stand das Auto tief genug im Tal, um unser Nachtquartier auf kurzem Weg zielstrebig erreichen zu können: die obere Boofe am Kleinen Lorenzstein.

Die obere Boofe am Kleinen Lorenzstein an einem idealen DezembermorgenAusläufer des Großen Lorenzstein im Nebel„Wir wünschen Ihnen ein intensives und unvergessliches Naturerlebnis!", schreibt die Nationalparkverwaltung am Ende ihrer Veröffentlichung zu den offiziellen Freiübernachtungsstelle.

Dieser Wunsch ging gleich am nächsten Morgen in Erfüllung. Durch die Höhe, die man im Dunkeln nur erahnen konnte, hatten wir mit dem aufziehenden Morgen einen herrlichen Blick über die Baumwipfel hinüber zum Teichstein. Während Sonne und Wind Wolken- und Nebelfetzen durchs Tal trieben, ergaben sich immer neue Ein- und Ausblicke. Lange starrten wir auf diese sich fast sekündliche verändernde Szenerie.

Ein gutes Frühstück gehhört dazuNeben den sportlichen Zielen steht für uns in Sachsen immer das ganzheitliche Erlebnis Mittelpunkt. Dazu gehört auch ein gutes Frühstück. Die anschließende Wanderung über die – mit großem Rucksack teils abenteuerlichen – Saumpfade des Großen Lorenzsteins und Die Knorre zur Zeughausstraße sollte uns für die Kletterziele des Tages aufwärmen.

Zunächst ließen wir die Wartburg nur rechts liegen und näherten uns dem Hinteren Raubschloss. Hier sollte sich für uns ein kleiner Kreis schließen. 2008 hatten wir im Regen den Winterstein über die Leitern erklommen. Oben angekommen lag der Wintersteinwächter verlockend nah vor uns. Wegen der suboptimalen Witterungsbedingungen war das Seil jedoch unten im Rucksack geblieben, und ohne nahmen wir damals vom Übergang (II) dann doch lieber Abstand. Diesmal sollte der Gipfel allerdings von unten über die Ostverschneidung (III*) bestiegen werden. Unter strahlend blauem Himmel erfolgte der Eintrag ins Gipfelbuch mit herrlicher Aussicht in Richtung Teichstein und Lorenzsteine zur einen sowie den Bärenfangwänden zur anderen Seite.

Die Ostverschneidung (III) am WintersteinwächterFür Frührentner (V) an der WartburgFür den 400. Gipfel führte uns der Weg (und der Roland) dann zurück zur Wartburg. Vor Ort fiel die Wahl auf „Für Frührentner" (V). Wie die grüne Indikatorfarbe des Felsens schon signalisierte, war der Reibungskoeffizient im Einstieg und auch darüber deutlich minimiert. Als Roland noch vor dem Ring aus einem großen Tritt glitt und sich glücklicherweise halten konnte, kostete das beinahe die eigentlich ganz gute Moral. Die Versuchung, zum Alten Weg auszukneifen war groß. Aber so billig wollte er seinen Jubiläumsgipfel dann doch nicht haben. Über ein schmales Band querte er zurück und klinkte den Ring. Über diesem ging es sicherungsfrei weiter. Hat man den Zug auf die Rippe des Alten Weges geschafft, liegen auch die Hauptschwierigkeiten hinter einem – wobei Jörg und ich die grifffreie Gradwanderung vom Neben- zum Hauptgipfel auch schon als moralisch genug empfanden – insbesondere weil zeitgleich der böige Wind wieder auffrischte. Mit der einsetzenden Dämmerung begann beim Abseilen auch wieder der Regen und wir dankten innig für das kurze Schönwetterfenster, dass die Umsetzung unserer Pläne ermöglicht hatte. So waren wir auch nicht weiter traurig, dass uns die vorweihnachtlichen Verpflichtungen ohnehin nur einen Klettertag erlaubt hatten.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zur Zschandhöhle. Diese im Dunkeln im Lichtkegel der Stirnlampe und nur mit der Beschreibung aus dem Bellmann zu finden, war ebenfalls ein Erlebnis. Mit diesem gelungenen Abschluss der Tour und einem Abendessen im Forsthaus – die Neumannmühle hatte leider immer noch geschlossen – brausten wir im Dauerregen über die Autobahn wieder nach Berlin. (Lars)

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