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Winter im Wald

bielatal_silvesterSo. Weihnachten ist durch und der Frühling in Sachsen hält an. Während in Köpenick die erste Riege der Krokusblüten auf dem Mittelstreifen verblüht, wächst mein Wunsch die perfekten Bedingungen für eine Aufbesserung der Gipfelbilanz zu nutzen. Der Wetterbericht versprich strahlenden Sonnenschein und Temperaturen im zweistelligen Bereich, besser geht es nicht. Die Suche nach einem Kletterpartner fällt dann allerdings schwieriger aus als gewünscht und so starteten wir letztlich am 30.12. als das Thermometer deutlich angemessenere Kaltluft registriert.

Mit Herdi und Otto stehe ich gegen halb 12 an der Daxensteinbaude und trinken den ersten Grog gegen die Frostlinge, die bereits intensiv ihrem Job nachgehen. Yo wollte separat anreisen und tut dies auch. Etwas später als gedacht.

Der Plan sieht vor, die noch nicht erstiegenen neuen Gipfel zu besuchen und so wandern wir durch das herrlich leere Tal, vorbei an der Dürrebielenadel zur Elisabethspitze. Hier waren vor Wochen Heiko und Pelle mit Thomas und Holger erfolgreich. Der Gipfel ist schnell gefunden und ich erkenne in der Schartenseite den Riss wieder, denn ich mir schon vor Jahren nicht getraut habe. Der wirklich kurze Weg hört auf den schönen Namen Essay und verlangt vom Aspiranten sich in ein überhängendes Schulterrissstück zu mogeln und dann nicht mehr raus zu fallen. Wird schon gehen.

Der Fels ist trocken aber saukalt. Erster Versuch und die Feststellung, geht nicht. Für V sollten da doch irgendwo brauchbare Griffe sein. Aber genau dort, wo ich am liebsten mein Knie in den Riss geschoben hätte baucht es aus und die Rissinnenseiten verhalten sich denkbar unkooperativ.

Ok, vielleicht ein anderer Weg. An der linken Schartenseite befindet sich eine kleine Reibung. Der Versuch dort endet in Ermangelung an Sicherungsmöglichkeiten spannender als gewünscht. Super Sache, erster Gipfel und gleich mal das Nervenkostüm perforiert. Mittlerweile ist mir vom probieren aber ausreichend warm und ich versuche es nochmal am Riss. Dank Otto, der mich perfekt spottet und Herdis Zuspruch gelingt es dann doch und plötzlich ist der kleinen Bauch geschafft. Der Rest ist weniger aufregend, wenn auch nicht minder anstrengend und ziemlich ausgepumpt stehe ich kurze Zeit später auf dem zugigem Gipfel. Den Jungs fällt der Weg auch nicht zu leicht, vor allem die Temperaturen erschweren das klettern deutlich und wir sind ganz froh so schnell wie möglich abzuseilen.

Als nächstes steht der David auf der Liste, ein Gipfel in direkter Nachbarschaft zu Burgener Turm und Goliath mit einer kleinen Boofe. Otto erkämpft sich die Westkante und zum Glück ist es auf dem Haufen nicht so windig. Mittlerweile droht die Sonne unterzugehen und wir beeilen uns zum Liebesknochen zu gelangen. In der Scharte angekommen ist es bereits dämmerig. Herdi steigt ein und erkundet die Möglichkeiten. Im Sichtfeld lockt ein Ring der laut Klefü dort gar nicht sein sollte. In Anbetracht des schwindenden Tageslichts und der als übersichtlich zu bezeichnenden Sicherungssituation erkämpft sich Herdi mit Hilfe von Thomas' Geschenk den Ring und wenig später der Gipfel. Richtig gut. Otto und ich steigen im Schein der Stirnlampen nach und freuen uns über das „Geschenk“. Am Wandfuß beschließen wir die Bergstation für morgen übrig zu lassen und der Ottomühle einen kurzen Besuch abzustatten. Am Parkplatz treffen wir auf Yo und gemeinsam stärken wir uns im inneren der Traditionsherberge. In der Zwischenzeit hat auch Pelle sein kommen für den nächsten Tag angemeldet. Sehr gut.

Die Fahrt zur Gamrigboofe verläuft routiniert, ich vermute Ottos Auto kennt den Weg auch ohne seine Hilfe blind, und so richten wir uns zu einer kühlen Nacht ein. Spannender als die sinkenden Temperaturen ist allerdings der Wind der in unerwarteter Intensität phonstark durch die Wipfel schmirgelt. Bissl Patagonien ist überall.

boofe

Der nächste Morgen präsentiert sich mit klarem Himmel und Sonnenschein, allein in der schattigen Boofe bleibt es kühl. So fahren wir bald gemeinsam ins Bielatal. Neben der Bergstation fehlt mir der benachbarte Horzelbub, den ich infolge einbrechender Dunkelheit vor einem Jahr nicht finden konnte. Herdi hat Pläne an der Glasergrundspitze und dem Wormsbergwächter. Also los.

Glücklicherweise hat Herdi die Bergstation schon in der Tasche und kennt folglich den Weg dorthin. Für Ortsunkundige ist der Alte Weg, und nichts anderes kommt für uns in Betracht, gar nicht so leicht zu finden. Durch eine Scharte und eine kleine Wandstufe zu einem Plateau und von dort mit kurzem Übertritt in Richtung Gipfelbuch. In den Vertiefungen der Gipfelfläche glitzert das Eis im Sonnenschein und es gibt Hopfenbrause aus der Plasteflasche, dazu ein Mamba. Gipfelromantik wie sie dem erstiegenem Objekt gerecht wird.

Als nächstes suchen wir den Horzelbub. Nicht sonderlich erfolgreich, wie wir feststellen müssen als wir wieder auf dem Weg im Glasergrund stehen. Ich will da hoch und Herdi mag zum Wormsbergwächter und so trennen wir uns kurzerhand. Meinen Fehler erkennend finde ich den Horzelbub wenig später und überraschend schöne Kletterei noch dazu. Von dort kann ich mit Pelle telefonieren, der gerade ins Tal rollt und wir verabreden uns in der Ottomühle.Läuft.

Nach kurzem Spaziergang finde ich die Jungs am Wächter wieder und Herdi ist gerade dabei die wichtige Schlinge am Baum zu installieren. Diese mag nicht so recht halten und verändert zu Herdis Leidwesen regelmäßig den gewünschten Platz. Das nervt und kostet Kraft. Wenngleich der Weiterweg akzeptabel aussieht siegt die Vernunft und nach unzähligen Versuch brechen wir ab um zur vermeintlich leichteren Glasergrundspitze zu wandern. Diese präsentiert sich dann aber auch als unter den vorfindlichen Bedingungen garstiges Stück Sandstein und so bleibt in Ermangelung von weiteren Vorstiegswilligen nur der Weg ins Wirtshaus. Die Beleuchtung ist wieder im Energiesparmodus und immerhin ist nachher ja noch der Jahreswechsel zu bestreiten.

Während wir in der Ottomühle Kraft tanken kommt Pelle und wir sind vollzählig.

In der Boofe wird der Glühwein vorbereitet und heute Abend ist es windstill. Dafür beginnt es gegen 10 Uhr zu schneien, zuerst fliegen nur zarte Flocken. Es schneit ganz sanft aber stetig. Als wir uns auf den Weg zur Bastei machen ist die Schneedecke nicht mehr zu leugnen.

 

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Wir durchwandern das malerische Rathen und Pelle brilliert am Märchenbrunnen. Mittlerweile sind meine Zweifel am geplanten Aufstieg durchaus gewachsen und als wir auf die Bastei treten, die entgegen unseren Befürchtungen nur zwei kleine Gruppen von Naturliebhabern zeigt, offenbart sich was zu befürchten war. Der Weg ist im Sommer bestimmt ein Klacks, die Sicherungssituation kann behände weggelächelt werden weil der Reibungsschuh vorzüglich steht und der Friedrich Traugott gar keine solchen besaß. Heute Abend allerdings liegt Schnee auf den Absätzen und der Einstieg in die Stufen wirkt wenig einladend. Gleiches gilt für die schneebedeckten Stufen selbst. Super.

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Wir warten den Countdown ab und während Otto sich am Einstieg einbindet wünschen sich die verbleibenden Teilnehmer auf der Brücke ein gesundes neues Jahr. Otto steigt an und überwindet das erste Teilstück das auf einen Absatz führt, legt eine bescheidene Sicherung und zaudert. Zu Recht wie mir scheint. In der Zwischenzeit hat eine der anderen Gruppen den Gipfel über einen günstigeren Weg erreicht und der Nachstiegsbetrieb beginnt auf der Brücke. Ich kann nur ahnen, das Otto mit seiner halbseiden Schlinge auf den verschneiten Block stehend den Verlauf der Ereignisse doof gefunden hat. In jeden Fall erwägt er nach ausgiebigem Testen der Kletterbarkeit des folgenden Meters den geordneten Rückzug, der auch unfallfrei gelingt. Wie heißt es so schön „Wer keine Säcke aufhängen kann, der kann auch nicht klettern gehen.“ Ich bin erleichtert, der Weiterweg sah nicht vielversprechend aus. Auf der Bank am Tiedgestein verteilt Pele Wunderkerzen und läßt ein paar Raketen aus der Hand in Richtung Elbe starten. Silvesterfeeling keimt, der Glühwein wird seiner Bestimmung zugeführt und irgendwer zaubert staubigen Prosecco ans Tageslicht. Auf dem Heimweg postuliert die Parkplatzuhr kurz vor 03 Uhr, hallo 2016.

Der Neujahrsmorgen beginnt langsam und entsprechend den Umständen beschließen wir einen Wandertag einzulegen. Der Schnee ist liegen geblieben, dennoch ist es diesig-fast nebelig. Die Kaiserkrone und der Zirkelstein sind zwei Felsgestalten die ich seit über einem Jahrzehnt aus verschiedenen Perspektiven gesehen aber noch nie bestiegen habe. Damit bin ich nicht allein und das Ziel ist klar. Über kleine Dörfer lotst uns Otto rechtselbig nach Schöna, wo wir die Wanderung beginnen. Der Zirkelstein muss früher auch Klettergelegenheiten geboten haben, in Gipfelnähe finden wir einen alten Abseilring der nicht mehr ganz der Norm entspricht. Erinnert entfernt an Adrspach. Die Aussicht ist wie erwartet übersichtlich, vermutlich sind es Felder am Fuße des Berges, wer weiß.

 

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m Dorf finden wir glücklicherweise noch ein uriges Wirtshaus das für jeden Geschmack ausreichend bietet und während Yo, Herdi und Otto noch eine Nacht im Wald dranhängen ist es für Pelle und mich Zeit nach Berlin zu fahren. Ein schönes Winterabenteuer endet, neue warten.

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