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Schrammsteine special

Es ist ein regnerischer Donnerstag morgen als sich ein Moped mit Rucksack von Lichtenberg nach K-Town quält. Den skeptischen Blicken der anderen Verkehrsteilnehmer zum trotz erreiche ich nicht ganz trocken Otto und wir sammeln Herdi in der Altstadt ein. Die Schrammsteine rufen und so rollen wir aus dem brandenburgischen Grau in gelobte Land, nicht ohne in Schandau für die so notwendige Verpflegung zu sorgen. Wer mal nen Koffeinschock braucht, dem sei der Lidlbäcker empfohlen- die 2. Tasse wirkt oft letal.

Schwager im NebelDas Gefährt im Schießgrund abgestellt beginnt der Aufstieg durch den feuchten Wald, hier und da zieht Nebel auf und von vollständiger Abtrocknung ist der Fels auch noch ein Stück entfernt. In dem Ambiente würde es mich nicht wundern Diane Fossey zu begegnen wenn da nicht die Naumannhangel den Hohen Torstein präsentieren würde. Wir wuchten schwer bepackt die Rucksäcke am Wandfuß entlang und werden mit alpiner Stimmung belohnt. Der Schwager mit seiner beeindruckenden Talseite leuchtet durch die Schwaden und der Müllerstein kommt kurz zum Vorschein; die Kulissenschieber leisten großartige Arbeit. Und so sitzen wir auch erst mal ein wenig in der Boofe und beobachten das Naturschauspiel.

herdiIrgendwann sind wir auf dem Weg zur Terrasse am hohen Torstein und dürfen das erste mal klettern. Die Jungs sind schnell auf den Vorderen Torsteinkegel geklettert und danach gings weiter über den Mittleren Torstein zur Seydischen Variante an Hohen Torstein. In Ermangelung von adäquater Ausrüstung und beginnender Dehydration war der Weg zumindest spannend, zumal dies auch der Rückweg sein sollte. Wieder in der Boofe wurde das Abend-programm eingeläutet und der erste Tag ging würdevoll zu Ende.

 

Der Tag erwacht und davon ungerührt schlafen sich die müden Gestalten aus, als sie aufwachen vernehmen sie Stimmen in der glatten Wand des Müllersteins. Wenig später beobachten wir mit dampfendem Kaffee in der Hand wie Robert Leistner Schwerstarbeit im Gewänd abliefert. Die in der von Heiko beschriebenen BIWAK Sendung begonnenen Erstbegehung sollte beendet werden und waren live dabei. Ingo, Thorsten und Christian hatten sich telefonisch gemeldet und waren auf dem Weg zu uns, so dass wir in aller Muße denBemühungen des Athleten folgen konnten. circus_maximus

Als die Jungs eintrafen bildeten waren weitere Ringe im Fels versengt und die Aussichten auf Erfolg recht groß. Mit Thorsten bin ich dann auf Vor. Torsteinkegel, Bergfex, Jubiläumsturm und Tante geklettert, wobei das Thema Kaminkletterei und diverse Fußtechniken mit besonderem Interesse gewürdigt wurden. Der Rest der Gruppe vergnügte sich in den Gipfeln nahe des Müllersteins und begegnete dort mehrfach dem BIWAK Team. Bis zum Treffpunkt um 7 war noch Zeit und so besuchten wir den Baustein, ein Bollwerk in zartem grün den wir über die Elefantenrutsche begingen. Das Gipfelbuch verriet uns dann, dass alle anderen das spezielle Flair des Baustein ebenfalls genossen hatten. Zurück zur Boofe und von dort zur lokalen Fanmeile, dem Marktplatz von Bad Schandau, wo in einem Festzelt zum public viewing eingeladen wurde. Es gab Sodbrennen zum mitnehmen in Würstchenform, gratis Sozialstudien und teures Bier- am Ende hat die Bundesdeutsche Auswahl den Griechen in einem schönen Spiel die Würde gelassen und sich fürs Halbfinale qualifiziert. Der Aufstieg zur Schlafstatt erfolgte zielstrebig und vielleicht lags auch daran, dass am nächsten Morgen an ein frühes aufstehen nicht zu denken war. Otto wollte den Schwager niederringen und vorher noch den Lückenschluss mit Sonnenwendkegel und Mittelturm besiegeln, also los.

dreifingerturmLeider war der Einstieg nicht ganz eindeutig, das brachte mir 40 extrameter Kamin mit botanischer Note ein und die Erkenntnis hier nicht zum Gipfel zu gelangen. Während ich den sicherungsfreien Rückweg antrat, war Herdi auf dem richtigen Weg und so erreichten wir den Gipfel des Mittelturms nach einer lustigen Expedition. Vom Gipfel steigt der willige Protagonist dann auf ein Band ab und fällt zum Sonnenwendkegel über, so liest sich der Übergangsweg. Herdi übernahm den Vorstieg und wie durften bald folgen. Beim abseilen konnten wir uns davon überzeugen hier auf keine Quacke gekrabbelt zu sein. Nach kurzer Rast schlenderten wir zum Schwager, nur um festzustellen, dass man hier erst mal in die Scharte kommen muss. Letztlich sind wir daran gescheitert, was aber nicht allzu schlimm war, so konnten wir pünktlich in Schandau sein um die Heimreisevorbereitungen der Franzosen zu begutachten. Beim einsteigen wurde Otto auf eine Visitenkarte der Polizeidirektion mit Vorgangsnummer aufmerksam und während die Jungs überlegten, wie man den unsere Parksituation mit einer Ordnungswidrigkeit in Verbindung bringen könne, scheiterte ich an der Suche nach dem letzten zurückgelassenem Felsenkeller. Darüber hinaus waren meine beiden Eintöpfe und der exzellente Rotwein verschwunden. So recht helfen konnte mir dabei niemand. Nach dem Spiel eilten wir in angemessenem Tempo zur Boofe und beschlossen den Abend.

ingo_wächter thorsten schmetterling

Der neue morgen sah dann recht müde Gesichter und nachdem sich Ingo mit uns am Schrammtorwächter verabredet hatte war der Tagesplan klar. Am Turm angekommen stellten wir dann fest, dass vor uns noch ein weitere Seilschaft den Gipfel ersteigen wollte. Herdi, Thorsten und ich beschlossen die Zeit durch das schnipsen einiger Gipfel zu verkürzen und verbanden damit die Hoffnung, eine bessere Fotoposition für Ingos Vorstieg zu erhaschen. Nun, schnipsen in den Schrammsteinen ist ein wenig vermessen und so konnte lediglich Herdi Ingos streben vom Max und Moritz verfolgen, bevor wir uns wieder zum Einstieg des Wächters trollten. Wenig später saßen wir alle gemeinsam auf dem Gipfel. Respekt an Ingo, leicht ist anders und auf dem Weg zum Ring sollte man Fehler um jeden Preis vermeiden. Thanx. Danach wurden in Kleingruppen Spitzer Turm, Zackenkrone, Viererturm (Otto SW-Kante !), Bierdeckel und Flasche bestiegen. Der Nachmittag war schon fortgeschritten als Ingo die Genießerspalte am Meurerturm ins Spiel brachte.

thorsten_spalteAnschauen wollte ich mir das immer schon mal und so standen Thorsten, Ingo und ich wenig später am Einstig während Anke unweit wartetete. Bereits eingebunden wurde ein Seil vom Gipfel geworfen, was uns aber nicht störte und so stieg ich los. Auf dem Absatz vor den Einstieg in den Riss hörte ich dann stimmen und nach kurzer Konversation kamen mir zwei Unbegurtete entgegen gerutscht. „Eins gansch dir sagn, runter geht der richdsch gudd.“ Daniel hatte ich in Adersbach schon mal gesehen und so erhielt ich noch interessante Vorschläge mit welcher Körperhälfte der Riss am besten zu bewältigen sei, nicht ohne eingehend gemustert zu werden. „schlingen gannsde abmachn, schdörn nur.“ Derart aufgebaut ging es dann rechtgängig in die Spalte und ganz gut nach oben. Nach einigen Metern biegt die Schlote leicht nach rechts aus, was ein unsicheres Gefühl erzeugt, aber alles zappeln findet sein Ende und so konnte ich nach dem Riss sogar noch eine Belohnungssanduhr legen. Thorsten und Ingo kletterten übrigens linksgängig und berichteten über die Möglichkeit den Risseinstieg leichter zu ersteigen. Nach dem Meurerturm war für Ingo, Anke und Thorsten die Zeit gekommen Lebewohl zu sagen. Ich erhielt von Ingo noch den Hinweis wie der AW an der Unbenannten Spitze zu erklimmen sei und so verschwand ich in einem der Tageszeit angemessen dunklen Kamin während sich die Freunde nach Berlin verabschiedeten. Leider habe ich dann nicht die Unbenannte Spitze gefunden sondern den Spitzen Turm, der kein Gipfelbuch besitzt und den ich bereits früher am Tag mit Thorsten über die Löschnerwand bestiegen hatte. Zeitgleich durfte ich mich der Tatsache stellen, das Rollreibung hoch klettern wesentlich leichter ist als runter. Auf einem Nebengipfel hatte ich Otto und Herdi erspäht und schwankte nach dem langen Kaminabstieg zu den Jungs rüber. Gemeinsam kletterten wir noch abschließend die Ostkante (Otto VIIb) am Kelch, dessen Gipfelbuch eine wunderschöne Kupferplatte besitzt. Ein großartiger Ausflug nahm sein würdevolles Ende, und während wir durch das Schrammtor ein letztes mal in Richtung Boofe wanderte frischte der Wind merklich auf. Der folgende Abstieg vollzog sich dann teilweise im Sturm und wir waren heilfroh am Auto zu sein.

Nachtrag: Wieder in Berlin hatte ich die Aufgabe in der Sebnitzer Polizeidirektion Infos zum beschriebenen Vorgang einzuholen. Ein sehr freundlicher Polizist klärte mich über den Umstand auf, dass unser Auto offen stehend aufgefunden wurde, während Wertsachen unberührt im Gefährt verblieben waren. Ich hielt es für angebracht die verschwundenen Lebensmittel zur Sprache zu bringen und so erfuhr ich von einem im Wald lebendem tschechischem Bürger, der darauf spezialisiert ist Lebensmittel aus parkenden Autos zu mopsen. Verrückte Welt. Das dies nicht nur Autos betrifft konnte Heiko bestätigen, ist aber eine andere Geschichte. qbi

 

 

 

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