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Blick vom Nördlichen Wiesenstein auf die Drei ZinnenDie Sommerferien beginnen im Bielatal

 

Unser Familienurlaub liegt immer erst in der zweiten Ferienhälfte. Um die Sommerferien für die Kinder merklich und mit einem Highlight beginnen zu lassen, war auch der diesjährige Auftakt ein Boofenwochenende. Wegen der Auswahl an kinderfreundlichen Gipfeln fiel die Wahl auf das Bielatal. Roland konnte mit seiner Tochter bereits am Donnerstag anreisen. Eine ausgedehnte Wanderung führte die beiden am Freitag dann durch nahezu unberührte Natur ins Erzgebirgsgrenzgebiet. Nach einer Free-Solo-Begehung des Diebs im malerischen Diebesgrund über AW (II) konnte Roland ein weiteres Häkchen an einen der wenigen noch offenen Gipfel im dunkelblauen Kletterführer machen. Abends trafen wir uns in der Boofe oberhalb drei Zinnen und bewirteten unsere Kindern mit Boofen-Burgern (gebratene Schweinefiletscheiben im Brötchen).



Studium der Südkante am Hinteren DürrebielewächterDen nächsten Tagen ließen wir beschaulich mit einem guten Frühstück beginnen und machten uns am späten Vormittag auf den Weg in Richtung Nymphenbad. Als erstes sollte hier eine alte Rechnung beglichen werden. Im Frühjahr 2010 – Roland hatte seine Kletteraktivität gerade erst wieder intensiviert und ich generell erst damit begonnen – waren wir hier am Hinteren Dürrebielewächter in die Südkante (IV**) aus Respekt gar nicht erst eingestiegen. Es war also kein echter Sack, den wir nun gemeinsam abhingen – zumal Roland den Weg früher schon einmal gemacht hatte. Die IVer Schwierigkeiten liegen vor allem am Einstieg nach dem ersten Absatz und an einem leichten Überhang kurz vor dem Gipfel. Ansonsten ist der Weg wunderschön, lang, abwechslungsreich, gängig und in den leichteren Passagen gut gesichert. Gerade aber bei den etwas schwierigen Zügen sah es mit der Sicherung etwas dürftiger aus.

Matti am leichten Überhang vor dem Gipfel am Hinteren DürrebielewächterFamilienbild auf der GlasergrundwandDie Jüngsten testeten währenddessen die Wassertemperatur im Nymphenbad – leider unfreiwillig und mit Klamotten. Die erforderlichen Wechselsachen zwangen uns früher auf den Rückweg in Richtung Boofe, so dass wir den Klubgipfel noch einmal links liegen lassen mussten. Wieder zurück wurden für die Kinder in großen Seilschaften die Glasergrundwand über die Südkante (II – mein zweiter Vorstieg in Sachsen) und der Mäuseturm über den Südwestweg (III) erklommen. Abends servierten die Boofenköche gebratenes Lammfilet mit Schupfnudeln und frischen Grillkräutern sowie eine feurige Kidneybohnenpfanne mit Speck, Kartoffeln und Paprika.

 

Abseilen am Mäuseturm 

 

Die Boofenköche bei der ArbeitAm Sonntag wollte Roland nach einem guten Frühstück dann endlich
einen echten Sack abnehmen. Bereits dreimal hatte er auf dem Absatz des AW (IV) am Nördlichen Wiesenstein gestanden und sich am Einstiegsriss versucht. Den Kamin zum Absatz hatte er wieder schnell durchstiegen und holte mich an einem Block nach. Die Hauptschwierigkeit liegt aber in den Zügen danach.

Auch diesmal wehrte sich der leicht überhängende Schulterriss standhaft. Im ersten Anlauf konnten zwei Knoten gelegt werden, die den Weg ins Tal im besten Fall verkürzt hätten. Im zweiten Anlauf reifte die Erkenntnis, dass der große Kinderkopf nun den besten Griff blockiert. Im dritten Anlauf – den Roland vorab als den letzten deklariert hatte – kämpfte er sich unter lauten Schnaufen über das reibige Rissende zu den verlockenden Plattengriffen an den Bändern oberhalb. Wir beide wussten, dass es jetzt
geschafft war. Beim Sichern hatte ich zwischen Seil einnehmen und Seil ausgeben aber mindestens genauso viel Adrenalin ausgeschüttet, wie er und aufgrund der Anspannung kein Foto gemacht. Im Nachstieg sollte ich ebenfalls drei Anläufe brauchen, bis ich eine brauchbare Idee für den Riss hatte und diesen mangels Kraft letztlich nicht ganz sauber durchstiegen habe.  Mit IV kann dieser Weg definitiv nicht als überstuft gelten. Das Fehrmann diese Erstbegehung 1906 auf und ab frei gemacht haben soll, nötig einem schon großen Respekt ab.

Glücklich auf dem Nördlichen WiesensteinBevor wir nach Berlin aufbrechen mussten, waren wir anschließend noch mit allen Kindern über die Südwestwand (II) auf dem Wiesenkopf. Für Große ist der Weg unproblematisch zu machen und dann auch II. Die Kleinen müssen sich beim Zug von der Rippe über das vorstehende Band aber ganz schön strecken. Wegen der spärlichen Sicherung wird auf Teufelsturm.de hier insgesamt auch eine IIIer Einstufung vorgeschlagen.

Alles in allem war es mal wieder ein sehr schönes Wochenende mit wenigen Heldentaten aber vielen schönen Erlebnissen.

 

 

 

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