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Dicht am Ballermann
Erstbegehung einer neuen Route in der Südwand des Puig de S´Aguila (Mallorca)

Bereits vor einem Jahr war mir der markante Berg ins Auge gefallen, jedoch stand da erst einmal die Besteigung des gegenüberliegenden Puig des Telegraf auf dem Programm.
Doch dieses Jahr war es dann soweit. Bis auf den Normalweg existieren meines Wissens keine weiteren dokumentierten Routen.

Frank und frei Mein Ziel war es, die abweisende Südwand im Alpinstil, ohne überflüssiges Material anzugehen. Vorsichtshalber führte ich jedoch eine Plane und einige Zeltstangen mit, falls es doch zu einem Biwak kommen sollte.
Auf Meereshöhe ging es los. Die Wegführung war zunächst verwirrend, doch schließlich nährte ich mich, im Zick-Zack durch bewaldete und mit Buschwerk bestandene Anhöhen, dem Fuß des Berges. Unterwegs zurückgelassenes Material (ein Schlafsack und leere Lebensmittelverpackungen) wiesen auf frühere fruchtlose Begehungsversuche hin.
Dann wurde es ernst. Ich gelangte in einen Bereich, an dem alle menschlichen Spuren endeten. Ein schmaler, kaum sichtbarer Ziegenpfad führte direkt auf die Südwand zu. Mühsam bahnte ich mir den Weg durch hohes Schneidgras, umgestürzte Bäume und bröckliges Gestein. So gut mir meine Bermudashorts bislang gedient hatten – im Schneidgras waren sie nicht besonders vorteilhaft (38 Grad im Schatten sind keine ideale Voraussetzung für einen Begehungsversuch).
Schließlich türmte sich die Gipfelwand vor mir auf. An der rechten Seite hatte ich eine Schwachstelle ausgemacht. Ähnlich dem Hillary-Step am Mount Everest gab es auch hier eine Engstelle (Aguila-Step) von etwa zehn Metern, die bei einem massenhaften Ansturm von Bergsteigern zur Todesfalle werden könnte. Schaudernd überwand ich rasch die kritische Passage. Die letzten Meter keuchend und schwitzend – hier hätte ich gerne künstlichen Sauerstoff gehabt (oder wenigstens einen Taschenventilator). Schließlich stand ich auf dem Gipfelplateau und genoss das Panorama, mit Blick auf die umliegende Bergwelt (Puig de sa Tudossa, Sa Talaia Moreira und Puig des Telegraf). Ein unvermittelter Temperatursturz auf ca. 27 Grad überraschte mich auf dem Gipfel. Schnell den Eintrag ins Gipfelbuch erledigt! Am Horizont türmte sich bedrohlicher blauer Himmel auf – eines der gefürchteten Azorenhochs war im Anflug. Schnell stieg ich über den Normalweg ab, um den Tag in der Cala Mesquida bei einem Bad im Meer ausklingen zu lassen.
Routeninfo: Südwand, 245 Höhenmeter, Schwierigkeiten bis 2-/A0
Ausrüstung: Bermuda Shorts, Sandalen, Sonnenhut, 2 Liter Wasser, Strandpavillon, 1 PfirsischUnterwelt 1

Was sonst noch geschah
Berühmt ist die Insel, neben diverser anderer Vergnügungsmöglichkeiten auch für seine mehr als 4.000 Höhlen. Ein paar sind touristisch erschlossen. Ich entschied mich jedoch für sechs „unbewirtschaftete“. Es machte einige Schwierigkeiten, sie zu finden, da das Internet etwas mit Informationen geizte. Belohnt wurde ich mit drei wunderschönen Tropfsteinhöhlen (Cova des Pirata, Sa Tancada und Cova des Pont) und drei eher unspektakulären unterirdischen Schutthaufen. Ein Abenteuer war´s allemal. Und was für Leute traf ich unter der Erde – richtig, zwei Berliner. Sie sind wirklich überall!
Außerdem frönte ich wieder dem Bouldern über dem Wasser. Leider gelang mir mein gewünschtes Projekt nicht (eine 17 Meter hohe und fünf Meter lange Schlüsselstelle erschien mir im Alleingang als etwas zu gewagt), dafür beging ich aber knapp zehn Routen an der wunderschönen Ostküste und machte mir mehr als einmal fast ins Hemd, wenn der letzte Griff sich als schlubbriger, feuchter Aufleger erwies. Mallorca, ick liebe dir!
Gans schön sandig, das Riff!Unterwelt 2
Danach ging´s mit dem Micha S. (geborener P.) ins Elbi. Zunächst gab es auf dem Zeltplatz in Sebnitz wieder das obligatorische Gewitter. Das hielt uns jedoch nicht davon ab, rund um den Kanstein ein paar Aufwärmrouten zu klettern. Am nächsten Tag ging´s bei gefühlten 35 Grad hoch zur Lokomotive. Die Hitze war jedoch derart, dass wir auf den Gipfel verzichteten und zunächst eine Solotour auf das nahegelegene Lamm unternahmen, wo wir eine höchst unangenehme Begegnung mit einer unglaublichen Arschgeige hatten, was uns bewog, schleunigst zum Honigstein weiterzuziehen, um keine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung zu riskieren. Die Stimmung war zunächst am Boden. So beschlossen wir, uns aufs Gipfelsammeln leichter Wege zu beschränken, hakten an diesem Tage fast alles im Umkreis ab und hatten am Ende des Tages dann auch wieder gute Laune.
Der nächste Morgen begrüßte uns wieder mit knalligem Sonnenschein. Wir setzten mit der Fähre nach Rathen über, um uns diesmal die Gänse vorzuknöpfen. Mittlerweile waren wir nämlich in eine der Boofen am Rauenstein umgezogen. Zum Aufwärmen gab´s eine schöne Route an der Gansscheibe. Micha wollte wegen leichter Schulterprobleme nichts übel Schweres klettern. Also nahmen wir uns eine VI am Gansriff vor, die aber optisch irgendwie schwerer wirkte. Unser Vertrauen in den Kletterführer war jedoch grenzenlos. Und so stiegen wir ein. Gleich zu Beginn hielt ich zwei abgebrochene Griffe in den Händen, schob eine lose Schuppe sacht wieder an ihren Platz zurück und bombardierte den sichernden Micha mit abplatzenden Tritten und Streusand von oben. Ansonsten war die Route sehr schön. Mit VI hatte der leicht überhängende Handriss aber nix zu tun. Gottseidank ließ er sich ganz gut absichern. Und in 27 Metern Höhe sollte ja schon die Abseilöse kommen. Ich kletterte und kletterte und kletterte … keine Öse zu sehen. Schließlich meinte Micha von unten, dass wir wohl in einer anderen Route seien; die Skizze im Kletterführer stimmte hinten und vorne nicht. Nebenbei informierte er mich, dass übrigens nur noch vier Meter Seil übrig seien. Das sind so die Sachen, die einen sehr motivieren, wenn man auf irgendwelchen sandigen und keksigen Reibungstritten steht. Das Seil (60 Meter) reichte mit Ach und Krach zur Nachholöse am Gipfel. Schwein gehabt!
Micha, der meinen Aufstiegskampf skeptisch beobachtet hatte, freute sich nun wie verrückt auf den Nachstieg. Man konnte es ihm nicht verdenken. Er versuchte weiter unten auf einen anderen nahe-gelegenen Riss auszuweichen und landete fluchend und Sand um sich werfend auf einem buddelkastenartigen Band. Was für ein Fest! Doch er biss sich tapfer durch und nährte sich fluchend dem Gipfel, der uns mit einem herrlichen und spektakulären Ausblick entschädigte. Im Gipfelbuch waren übrigens viele Routen in der Südwand von ihren (nicht allzu zahlreichen) Begehern mit einem Fragezeichen versehen. Wir waren also nicht die einzigen, die nicht so recht wussten, was sie da geklettert waren. Bis heute war auch nicht sicher herauszukriegen, um welche Route es sich eigentlich handelte. Vermutlich die Südostwand (VII b) bzw. eine Variante davon. Schließlich entdeckten wir auch die Abseilöse. Sie befand sich auf dem Nachbargipfel, den wir durch einen ausgesetzten kurzen Übertritt erreichten. Unser Radler im Gasthof hatten wir uns redlich verdient! Punker und Frank T
Dann kam der letzte Tag. Die Luft war ein bisschen raus, das Frühstück wurde bis in die Mittagsstunden ausgedehnt und noch ein paar Gipfel beim Bärenstein runtergerissen (am Thürmsdorfer Stein gingen wir wieder das komplette Seil aus – Gottseidank standen ein paar Bäume zum Nachsichern herum). Ordentlich zerschunden und erschöpft ging es nach dem großen Abenteuer zufrieden zurück ins große Moloch Berlin.
Frank T. aus B.

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