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Feuersalamander und Sicherungsklumpen

oder fünf Tage Zschand und Brand


Salamander
Fünf Tage im sächsisches Felsengebirge klettern, das hatten wir zuletzt *grübel* vor 10 Jahren? In Anbetracht dieses Luxus lies ich das "Wochenende" mit Anke entspannt angehen und wir fuhren am Freitag Mittag los. Es ging durch diverse Staus um dann im Kirnitzschtal an der Neumannmühle zu parken u
nd in den von wärmenden Abendsonnenstrahlen durchfluteten Wald der Kanschlüchte einzutauchen. Beim hochwandern zum Störznerfels berührte ich die ersten Felschen mit den Händen und sogleich atmete die Seele auf.

Am Störznerfels ging es die NO-Wand IV hoch und schon saßen Anke und ich auf dem ersten Gibbelchen. Für heute sollte ein Gipfel reichen, aber ein Weg musste noch her und so suchte ich mir die Ostkante III(IV)! als Solotour aus - Empfehlung! Nun stiegen wir hinab und machten es uns in einer Boofe unterhalb des Felsens gemütlich. Anke entdeckte sogar noch eine Quacke mit AÖ.
Da ich im Grünen Führer am wenigsten Gipfel habe, sollte es am nächsten Morgen in den Großen Zschand gehen. Auf dem Weg sahen wir einen ausgewachsenen Feuersalamander. Der erste Gipfel, die Sommerwand AW II war eine richtige Expedition, Übertritt und weite Querungen. Um eins erst kehrten Anke und ich ausgedörrt nach 3 Abseilen vom Gipfel zurück.

Weißer Turm AW und besonders Zschandnadel AW zwei anspruchsvolle Wege im IV Grad folgten. Zusammen erklommen wir noch Kleines Seehorn Südwestwand und vug Weiße Spitze AW V auch eine anspruchsvolle V. Oben muss man einen weiiiten Kamin 6m ungesichert spreizen, um sich aus der Spreizstellung an windigen Griffen herüber zu lassen und links empor zur AÖ zu steigen. Erinnerte mich sehr an Yeti AW.
Glücklich erreichten wir wieder unseren Boofenplatz in der Kanschlucht. Uiii jetzt schon "Körper" und noch drei Tage klettern.

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Am nächsten Morgen, dem Sonntag waren wir mit Heiko und Tina um 10Uhr an der Brandaussicht verabredet. Dort hatte Tina für zwei Nächte zwei Zimmer mit Lagerplatz reserviert. Anke und ich waren von der Aussicht und der gesamten Anlage beeindruckt.
Eine Mischung aus DDR-Atmosphäre von der Bedienung und im alten Haus, westlich modernen noblem Ambiente beim Frühstücksbuffet und im Neuen Haus, sowie einer zeitlosen Jahrhundertaussicht von der Terrasse, die so wahrscheinlich auch schon Schuster, PerrySmith und Fehrmann gesehen hatten.

Gemeinsam mit Tina und Heiko, die inzwischen eintrafen stiefelten wir in den Schulzengrund, um dann Richtung Niederer Saugrund abzubiegen. Was für eine herrliche Landschaft, ein enges feuchtes bei jedem Schritt schmatzendes Klamm, mit Wildschweinsuhle an Wildschweinsuhle stiegen wir empor. Bis sich dieses enge Tal zu einem amphietheatergleichen Felskessel aufweitete, wo die Sonne für ein Dutzend Buchen ein göttliches Schauspiel von Licht und Schatten inszenierte, was die Buchen ermunterte bestimmt 50m säulenstarr emporzuwachsen. Ein Schauspiel der Natur.

Lagerplatz Einsamer Steintmb_HeiTinUnter den 5 Gipfeln vom Sonntag ist der Kampf um die Tonne 15+23m herauszuheben, die Heiko und ich in geteilter Führung über AW mit Var. Schartenkante VIIa eroberten. Auch der Bacchussprung, ein klassischer ca 2,5m weiter 2er Sprung auf den Spund flöste uns für 15 Sekunden Respekt ein. Glatter Steinturm, Drillingsturm und Einsamer Stein AW I solo sollten noch folgen. Am Einsamen Stein, den wir einige Zeit suchten trafen wir einen Mann. Er war der letzte seines vergangenen Vereins - schnell vergeht die Zeit!

Am Abend kamen Tom, Jenny und Felix, sowie Herdi und Gotschi zur Brandaussicht und es sollte noch ein lustiger Abend auf der Aussichtsterrasse werden. Dafür sorgten eine Flasche "Fi..en", die mir Heiko und Tina zum Geburtstag geschenkt hatten und eine Flasche Johannisbeerlikör. Letztendlich waren beide schneller leer, als alle dachten. Fröhlich wurden Pläne für den nächsten Tag geschmiedet. Heiko und ich wollten den Verlassene Turm erstürmen, den 23-schwersten Gipfel im Elbi (gemessen am leichtesten Weg oU).

So wurde am nächsten Morgen nach einem üppigen Frühstücksbuffet sogleich der Weg zum Bollwerk im Brand angetreten. Was für ein Turm, beeindruckend. Erst einmal wurden für Anke und Tina zwei Hängemattenplätze auserkoren und ein schönes Lager im Halbschatten aufgeschlagen. Heiko und ich schlawenzelten von verschiedenen Seiten um den Turm herum. Während es mir eher die Schartenseite und die Westwand VIIb(c) angetan hatte, hatte sich Heiko sogleich in den *Talweg VIIc 2R verguckt.

Heiko Verlassener Turm Talweg VIIc vor erstem RDer sollte es dann auch werden. Mit Schlingen bestückt und eingebunden stieg Heiko die anfangs leicht liegende kante zu einem Querband an. Dort ein guter Knoten und nach links in eine feine Rissverschneidung, die sich zusehends aufsteilte. Beim Zuschauen wurde ich schon ganz aufgeregt. Kurz vor dem ersten Ring überfiel Heiko dieses unbändige Freudengefühl, mit dem das Gehirn Angst verdrängt und er trällerte und jolte munter vor sich hin, so dass Tina und Anke aufschauten, was da wohl los sei. Vom ersten zum zweiten Ring steilte sich die Wand weiter auf und drängelte nun fast. Griffig stieg Heiko weiter und jodelte, da sei ja der zweite Ring schon. Als ich diese immer lauter werdenden Laute von Heiko vernahm, wusste ich - ihn kann nichts mehr aufhalten um den 2.Ring zu erreichen.

 

Inzwischen mochte er gut 20m hoch sein.

tmb_Heiko Verlassener Turm Talweg VIIc vor 2R

tmb_Heiko Verlassener Turm Talweg VIIc nach 2Rtmb_Saugrundspitz Var AW II Tina Ingo HeikoNun stockte das Seil und Heiko nahm einen Anlauf - Steilreibung - Suchen nach Griffmüldchen - uff wieder zurück. Ein neuer Anlauf, rechts ein Tritt, dieser musste es bringen. Dort stand er gut, doch wo nun greifen? Rechts um die Kante suchten seine Finger nach etwas Greifbarem - ja da war er der Griff! Angetreten und an dem Griff hoch und oben für die andere Hand eine windige Reibungsmulde pressen. Uff noch mal wacklig, aufpassen. Noch zwei Schritte und das Gelände wurde leichter, was nicht heißt leicht. Ein ca 7m Reibungsrunout im V Grad musste noch gemacht werden. Das jodeln von oben wurde wieder lauter - Staaand schallte es von oben, Berg Heil von unten herauf! Im Nachstieg eine Genusstour - im Vorstieg - Wow!

Als nächtes wurde noch der Schwarzwildturm über "Für alte Männer" eine brüchige VIIb von Heiko vorgestiegen, sowie in geteilter Führung ein Klassiker - *Alter Weg VIIb auf den Saugrundwächter. Was für eine Tour 2 Ringe eine Sanduhr und 3 Quergänge sowie drei Unterstützungsstellen die Heiko und ich abwechselnd oU überwanden!

Danach wurde noch Saugrundspitze und Neuwegkanzel "geschnippst".

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Für den 1.Mai stand der Viermännerturm auf dem Programm. Ein Sack von Heiko und Otto sollte eingeholt werden. Anke, Tina, Heiko und ich wanderten die Brandstufen hinab zum Viermännerturm.
Mir sollte die Ehre des Sackeinholens zu Teil werden und so wurde der Riss erst einmal ausgiebig beäugt. Je näher man am Einstieg stand, um so mehr sah man, dass es nicht leicht werden würde. Es handelte sich um den Alten Weg VI - ein klassischer Schulterriss, der sich im Mittelteil verjüngt. Dabei machte sich in meinem Bauch schon ein flaues Gefühl breit. Für den Riss kam nur eine Sicherung in Frage, die ich mal an der Clementine - Ostwand angewendet habe und sie hier kurz beschreibe:

SicherungsklumpenDer willige Kletterer nehme seine frisch ausgezogenen Bergstiefel und umwickle diese möglichst fest mit einem T-Shirt oder besser einem wolligen kratzigen Pullover. Anschließend wird der inzwischen schwere Fleeceklumpen mit einer langen Bandschlinge wie ein Paket eingeschnürt. Und zwar möglichst fest. Ein weiterer Knoten in der BS möglichst nah am Paket ermöglicht das schwingungsfreie einklinken desselben am Gurt des Kletterers.

Nach mantraartigem guten Zureden von Heiko, sah ich mich plötzlich unversehends ausschließlich mit dem Klumpen "bewaffnet", am Risseinstieg wieder. Der Anfang ging noch als Stemmkamin bis ich mit dem Kopf an die Rissverjüngung stieß. Mit weiterem hochschubbern gewann ich weitere 20cm Höhe und konnte tiiief im Riss die Faust gut verklemmen. An diesem Faustklemmer lehnte ich mich nun nach hinten und gelangte an einen Seitgriff oben an der linken Risskante. Nun verließen mich Mut und Kraft und ich schubberte mich so gut es ging hinunter um unten völlig entkräftet ins Gras zu sinken. Dieses Spiel wiederholte sich noch zwei mal bis ich völlig erschöpft Heiko den Vorzug des Vorstiegs lies.

Heiko stieg frischen Mutes die Wand links des Schulterrisses empor. Die Griffe erwiesen sich jedoch bald als sehr klein und eine Bewertung mit VI erschien fraglich. Er kämpfte sich von links an den Riss heran und erreichte jenen guten Seitgriff im Riss. Nun das rechte Bein hereingeschwungen und hochgeschubb... nein, das Knie klemmte nicht und nach anstrengenden Minuten war nur ein kleiner Höhengewinn erreicht. Verzweifelt fingerte Heiko nach dem Fleeceklumpen - zu dumm - der war auf der rechten Seite eingeklinkt und da die rechte Körperseite im Riss steckte nicht leicht zu erreichen. Langsam begann die Nähmaschine ihr Werk. Nach zwei verzweifelten Versuchen ihn zu erreichen, wobei sich Heiko fast die Arme verknotete, gelang es ihm nun doch noch den Karabiner mit den schwitzigen Händen irgendwie vom Gurt zu lösen. Na warte du Fleeceklumpen - Heiko nahm das Wunderwerk und schleuderte es ein ums andere Mal nach oben in den sich erweiternden Riss. Der dicke schwere Klumpen wollte partout nicht in den Riss hinein. Noch ein Stückchen höher geschubbert und mit der Hand auf den Klumpen eingeschlagen - nun lag er endlich! Aber würde er auch halten?? Nähmaschine, Kraft, Schweiß und Schwerkraft forderten ihren Tribut - Halten, halten, ich komme! - Der Klumpen hielt!!!

Wieder alle am Boden versammelt fiel der Blick nun auf Heikos Bergstiefel - ein weiterer tmb_Heiko Viermaennerturm AW VIKlumpen musste als Sicherung her. Und so wurden Heikos Bergstiefel und Tinas Fleecepullover auserkoren einen weiteren, diesmal noch größeren Sicherungsklumpen zu bauen. Wir brauchten ja schließlich meine Schuhe, die sich im Riss befanden wieder. Mit diesem Klumpen und neuem Mut stieg Heiko ein weiteres Mal auf bis zur unbequemen Knieklemmstelle. Nun versuchte er den diesmal noch wesentlich schwereren Klumpen in den Riss zu schleudern. Die Hände schwitzten, das Knie rutschte, aber er kämpfte - ein zweiter und ein dritter Versuch. Der Klumpen hatte es nun auf Heiko abgesehen und landete mit voller Wucht auf Heikos Helm. Stöhnen drang aus dem Riss und Heiko liestmb_Ingo Viermaennerturm AW VI sich entkräftet ins Seil rutschen. Also der erste Klumpen scheint doch tatsächlich zu halten.

Nun ging der Vorstiegsgral wieder an mich. Heiko berichtete noch von einem guten scharfkantigen Griff an der rechten Wand. Mit dem neuen Schuhklumpen an der linken Seite stieg ich den Riss bis zu dem Seitgriff empor, etwas höher geschoben erreichte ich den scharfkantigen Griff und konnte mein Knie tiefer in den Riss versenken. Das gab mir ca 10s Zeit. Ich erinnerte mich an den Risskletterkurs in Adersbach und eierte hektisch mit meinen Fäusten im Riss herum um einen Doppelfaustklemmer anzusetzen. Ich drückte zu, als wollte ich den Felsen sprengen. Tatsächlich - es klemmte. Noch einmal kräftig gezogen und der Riss legte sich urplötzlich und bot bequeme Rast. Diese wurde genutzt um den zweiten Klumpen in den Riss zu versenken, nur um es dem Fels noch einmal zu beweisen - da hast du jetzt den Schuhfleecesicherungsklumpen!

Die letzten drei Meter machten sogar noch Spaß, konnte man doch nun klassisch unten stützen. An der 2.Abseilöse Heiko nachgeholt und weiter einen gängigen Kamin ca. III 15m hinauf, erholten wir uns oben auf dem Gipfel bei herrlicher Aussicht, froh über unser Gemeinschaftswerk!

Anschließend wurde noch die Kleine Barbarine über die Südwestkante VIIa von Heiko erstiegen. Ingo, Anke und Tina folgten und so hatten wir noch alle gemeinsam einen schönen Abschlussgipfel. Nachdem wir unsere Rucksäcke im Auto verstaut hatten genossen wir noch die Brandaussicht bei Bier, Tomatensaft und Waldmeisterbrause.

Ingo

 

 

 

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