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Es gibt immer ein erstes Mal Ken is alive

Chrille und ich starteten am Donnerstag verfrüht ins Wochenende und logierten standesgemäß im FdgB-Heim in Sebnitz. Leider regnete es die ganze Nacht und am Freitag tropft das Wasser aus allen Ritzen. Seltsamerweise war es im Kirnitzschtal recht trocken, was wir dazu nutzten, um gemeinsam mit Holger, der am Beuthenfall zu uns gestoßen war, zu den Affensteinen aufzusteigen. Wir wollten ein paar Bergwege abhaken. Also die Häntzschelstiege hinauf und ran an die Wand!

Begonnen wurde mit dem Nordstern, der per Abrutschen durch nasse Kamine bezwungen wurde. Ein Meilenstein sächsischen Bergsteigens. Wir holten uns am 8.Mai die Jahreserste. Die letzte Begehung wurde Anfang Juli des Vorjahres verzeichnet. Was für ein toller Gipfel! Tom wird er wahrscheinlich gefallen. Der Veteran machte da schon mehr her. Per Sprung ging es auf den Gipfel. Von dort seilten wir ab und wanderten gemütlich zum Partisan. Ärgerlicherweise verknackste sich Chrille den Fuß und war erstmal raus. Der Klettertag war somit gelaufen und wir zogen in die Buschmühle um. Schöne Scheiße!

Nordstern

Bei Bier und Sülze mit Bratkartoffeln wälzten wir dann Gedanken für den Sonnabend. Tom und Sarah waren ja auch im Gebirge und somit gab es mehrere Optionen für den nächsten Klettertag.

Nach einigem Hin und Her schloss ich mich Holger und seinen zwei Besuchern, Alex und Moritz an. Chrille machte einen Ruhetag auf Holgers Veranda und Tom und Sarah vergnügten sich im Zschand.

Wir wanderten von Schmilka die Heilige Stiege hinauf zu den Bussardtürmen. Die sahen von unten ganz possierlich aus, wuchsen aber beim Näherkommen beträchtlich in die Höhe.

   Bussarde Schlüsselstelle Geburtstrauma

Am Hinteren Bussardturm wählte ich die Variante zum Pfeilerweg, der unten eine schöne kleine Rissverschneidung bot. In angenehmer und gut gesicherter Kletterei ging es auf den Pfeiler, wo mittels Sechs-Meter-Köpfelschlinge eine hundertprozentige Sicherung gelegt werden konnte. Nun sollte ein Übertritt in die Wand erfolgen. Wohin die Reise gehen sollte, war nicht so einfach ersichtlich. Irgendwie sah alles gruslig aus. Schließlich fasste ich mir ein Herz und ging das Abenteuer an. An zunächst kleinen und dann größer werdenden Strukturen ging es acht Meter hoch auf den Vorgipfel. Da das alles ohne weitere Sicherungen geschah, war ich froh, etwas ähnliches schon an Jungfer, Schrammtorwächter und Winklerturm geübt zu haben. Für VI nicht geschenkt! Von dort holte ich die anderen Jugendlichen nach. Der nun folgende Übertritt stellte eine neue Erfahrung für Alex und Moritz dar. Entsprechend ungläubig schauten sie auch, als wir ihnen erklärten, dass wir dort überfallen müssten. Nach einigem Manövrieren saßen wir aber alle guter Dinge auf dem ersten Gipfel des Tages.

Best Buddies Hoch über Schmilka Übertritt

Der Mittlere Bussardturm versprach der schwierigste zu werden. Auf Chrilles Empfehlung stemmte ich mich den Einstiegskamin der Südkante hinauf und gelangte in schöner und abgesicherter Kletterei zum Ring. Eine recht frisch aussehende Bruchstelle wies darauf hin, dass hier an der Schlüsselstelle wohl etwas fehlte, was vorher dagewesen war. Entsprechend schwierig gestaltete sich das Weiterklettern. An kleinen Leisten und Löchern arbeitete ich mich am Ring vorbei und… Knacks! brach mir rechts eine Leiste weg und es semmelte mich in den Ring. Mein erster Vorstiegssturz in einen Ring war somit absolviert. Es gibt immer ein erstes Mal. Dummerweise wurde es jetzt noch schwieriger. Die sehr sandigen ausgelatschten Tritte waren da auch keine Hilfe. Leiste rechts, Löchlein links, auf Reibung treten und hoch! Irgendwann kriegte ich dann die ersten besseren Griffe und konnte entspannt durchatmen. Das war ordentlich gewesen und hatte mit VIIb nichts mehr zu tun.

 

Holger hatte Mühe im engen Kamin und fluchte wie ein Kesselflicker. Dank der nun nicht mehr vorhandenen Griffe konnte auch er sich an der nun sehr anspruchsvollen Kletterei erfreuen. Alex und Moritz kämpften sich danach auch durch den ungewohnten Kamin und über die Schlüsselstelle und leisteten uns auf dem Gipfel Gesellschaft.

Der Vordere Bussardturm sollte dann als Genusshäppchen den Abschluss bilden. Die SO-Wand versprach Wand- und Risskletterei im fünften Grad. Die Absicherung war gut, das Gestein etwas keksig und die Kletterei etwas zackiger als V. Oben lauerte dann wieder ein Überfall, den Moritz abwählte, Alex aber gut hinbekam. Das war doch mal ein grandioser Klettertag! Dementsprechend zufrieden lustwandelten wir in den Strahlen der Abendsonne dem Parkplatz entgegen und fuhren zu Holgers Residenz, um Chrille von seiner Einsamkeit zu erlösen. Holger verwöhnte uns mit feinsten Jahrgangsweinen und erlesensten Köstlichkeiten, sodass es schwerfiel, kurz nach Mitternacht Abschied zu nehmen.

Am Sonntag wurde allerorts erst einmal ausgeschlafen. Erst gegen Mittag trudelten dann alle Beteiligten im Bielatal ein. Dort war bei über zwanzig Grad die Hölle los. Alex, Holger und Chrille vergnügten sich am Spannagelturm, wo Alex seinen ersten Vorstieg einsammelte. Glückwunsch dazu! Moritz und ich bestiegen die Stumpfe Keule über die Südverschneidung (Genuss pur!) und den Stumpfen Kegel über die SO-Wand (noch mehr und noch größerer Genuss).

Die Sonne stand schon tief, als wir uns dann alle über den AW (Vorstieg wiederum von Alex) noch einmal auf dem Stumpfen Kegel versammelten, die vergangenen Tage Revue passieren ließen und ein letztes gemeinsames Gipfelfoto schossen. Alle waren wir traurig, dass das schöne Wochenende zu Ende ging und gleichzeitig froh, dass wir so tolle Tage hatten. Das werden wir auf jeden Fall bald wiederholen. Der Bärfangkegel wartet schließlich.

Die Meute des Wochenendes

(Frank. T., 11.05.2026)

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