In den Affensteinen
Um den 1.Mai war herrlichstes Frühsommerwetter angekündigt. Der halbe FdgB war im Gebirge unterwegs, so auch Tom und ich in den Affensteinen. Gegen neun ergatterten wir gerade noch so den letzten Parkplatz am Beuthenfall und marschierten dann stramm hunderte von Stufen zur Oberen Promenade hinauf, wo der Bergfried imposant im Morgenlicht leuchtete.
Der AW der Bergfriednadel war unsere erste Route und bot spannende Kletterei in festem Fels, mit sparsamer Sicherung. Für VIIa musste man doch sportlicher als erwartet klettern, brauchte sich allerdings nicht allzuviele Gedanken um die Sicherung machen, da schlichtweg nicht viel zu legen war. Die Kletterei war anhaltend schön und eher einen Grad höher anzusiedeln als der Kletterführer besagte. Demzufolge holten wir auch die Jahreserste auf diesen nicht häufig begangenen Gipfel. Als Plaisiersahnehäubchen gab es den Bergfried AW. Feine Sache!
Somit waren wir warmgeklettert und widmeten uns nun dem Kleinen Amboss, der mit der Variante zum AW eine kurze aber saftige VIIc anbot, die gottseidank über einen nachträglichen Ring an der Schlüsselstelle verfügte, ohne den es ein ziemliches Himmelfahrtskommando geworden wäre. Am Kegel wäre die Tour mindestens eine UIAA 7 gewesen, was wieder einmal zeigte, dass die Kletterskalen nicht einfach so umgerechnet werden können.
Zum Abschluss wartete der Vergessene Kegel, der uns die meisten Sorgen bereitete. Von fast überall war zu hören, was für ein garstiger und ungesicherter Psychogipfel das sein sollte. Unverständlich war zunächst, warum man vom Massiv abklettern sollte, wo doch ein Wanderpfad direkt bis an den Einstieg führte. Der entpuppte sich dann wirklich als müll- und sandgefüllte Rinne übelster Sorte, sodass wir froh waren, als wir schließlich an der 2. AÖ in der Hochscharte standen. Der Spreizkamin sah zwar gruselig aus, ließ sich aber entspannt durchspreizen. Beim Blick um die Ecke entfuhr mir fast ein Jubelschrei. Die so übel beleumundete Rinnenrampe zum Gipfel war nur eine kurze, stark geneigte Rutsche. Klar, wenn man hier stürzte, bedeutete das den Abschied vom irdischen Dasein. Man musste mit Bedacht vorgehen, einmal die Füße setzen, durchziehen und hochkrabbeln und dann war es vollbracht. Auch hier gab es die Jahreserste, was keine große Überraschung darstellte, da der Gipfel pro Jahr nur von wenigen besucht wird. Beim letzten FdgB-Eintrag war übrigens Gotschi mit von der Partie gewesen, sodass wir unsere Jahreserste seinem Gedenken widmeten. Möge er in Frieden ruhen.
Am Sonnabend waren wir ein bisschen träge und beschlossen gemütlich den garstigen Beelzebub abzuhaken. Der feucht-moosige Zustieg war schwerer als die Kletterei selbst. Viel Felskontakt gab es nicht, aber einen guten Überblick über die sächsische Pflanzenwelt im Gebirge. Leider verpassten wir die Jahreserste um einen Tag. Es gibt also noch andere Verrückte. Was soll man dazu sagen?
Nach solcherlei Gewurste sollte jetzt auch mal wieder schön geklettert werden. Der von Heiko empfohlene Weg „Schmied und Geselle“ am Amboss bescherte uns einen Einstiegskamin, griffige Rippen, drei Ringe und eine mies gesicherte lange Ausstiegsreibung. Es war eine schöne Tour, aber zwei Sternchen empfanden wir als arg übertrieben. Auf jeden Fall mussten die Hinterbacken zusammengekniffen werden, um die Schlüsselreibung zu meistern und um den Gipfel heil zu erreichen, was uns aber gut gelang.
Als Schlussakkord stiegen wir per Ultragenuss-AW auf den Brückenturm. Ein sanfter Schubber-Schulterkamin mit guter Absicherung führte uns inmitten von Touristenmassen auf diesen schönen und hohen Gipfel. Nahezu die gesamte Seillänge wurde ausgegangen und lediglich etwas Botanik kurz vor Schluss trübte den positiven Eindruck etwas. Affensteine, das ist ne Wucht!
Bis bald! (Frank T., 05.05.2026)






