Der Übergang vom fiesesten Winter zum strahlenden Frühling kam recht abrupt, was dazu führte, dass nach dem Dauerfrost ziemlich flott der Beginn der Draußenklettersaison vor der Türe stand. Da alles noch recht klamm war, wählten Tom, Holger, Heiko und ich die Schrammsteine, die uns, aufgrund ihrer exponierten Lage als besonders geeignet erschienen.
Mit der Wetterhaube war allerdings auch ein Siebentausender dabei, der von unten aus gesehen erst einmal furchteinflößend wirkte.
Tom und ich machten uns an Wildschützennadel (für den Grad VI recht einfach) und Wildschützenkopf (für den Grad V recht garstig) zu schaffen. Heiko und Holger stapften derweil wacker die Stiege hinauf, um die Drohne und die Tante zu besteigen. Beide Unternehmungen waren von Erfolg gekrönt. Holger war derart begeistert von der Tante (die sie interessanterweise völlig leer vorfanden), dass er noch einige Zeit später voll des Lobes über diesen Klettertag war.
Bevor wir uns an die Wetterhaube machten, war da noch der Neffe. Der Sechser-Bergweg erinnerte uns nachdrücklich daran, dass wir uns nicht mehr in der Boulderhalle befanden und von nun an wieder mehr Abenteuer war als in den vergangenen Monaten.
Ein langer und ein kurzer Übertritt waren zu bewältigen. Das kriegten wir alle gut hin und saßen dann quietschvergnügt in der Nachmittagssonne und freuten uns des Lebens.
Die nahe gelegene Wetterhaube wirkte dann von nahem nicht mehr ganz so fies, wie vom Tale aus. Über eine kurze Reibung ging es zum Nachholring. Kurz darüber ließen sich ein paar gute Sicherungen verspannen. Dann sollte gleich die fiese Schlüsselstelle kommen. Etwas aufgeregt machte ich den ersten Aufsteher von den Sicherungen weg, packte eine gute Rippe und stand nach wenigen Augenblicken auf dem Gipfel. Huch! Das hatte ich mir aber schwerer vorgestellt. Auch mal schön, wenn es leichter geht als gedacht. Im Nachhinein muss jedoch festgestellt werden, dass kleinere Menschen es dort viel schwerer haben. Der AW an der Wetterhaube ist somit wohl einer der ganz ganz wenigen Wege im Elbsandsteingebirge, wo Körperlänge ausnahmsweise zum Vorteil gereicht. Warum aber der ursprüngliche Ring gezogen worden war, konnte sich keiner von uns erklären. Zu erwähnen wäre auch noch, dass uns eine fiese Seilschaft um eine Nasenlänge die Jahreserste wegschnappte. Gut, dass es bei uns keine Blutrache gibt!
Anschließend nahmen wir noch ein paar Getränke in Ostrau zu uns, wo unter großem Hallo auch der wandernde Micha zu uns stieß.
Nach einigem Abwägen wählten wir die Osterspitze im Brand als Sonntagsziel aus.
Die lag nicht weit weg vom Parkplatz und hatte einen sehr benutzerfreundlichen Zustieg zur Scharte, per Fixseil. Da dort alles noch arg feucht war, ließ ich mich von einem weiter obenstehenden Baum sichern und trat die Querung zum AW-Einstieg an. Auf etwa der Hälfte des Weges begann der Boden unter meinen Füßen bedenklich zu knirschen und dann abzusacken. Gottseidank geschah dies recht langsam, sodass ich, mit guten Griffen in den Händen rasch einen Schritt zur Seite tat, der mich aus der Gefahrenzone brachte. Dies geschah keine Sekunde zu früh. Kurz darauf rutschte der halbe Weg in die Schlucht. Das wäre ein sehr unangenehmer Zehn-Meter-Pendler gegen die Massivwand geworden. Man muss auch mal Glück haben!
Die anderen zogen es daher vor, per Übertritt auf den Gipfel zu kommen. Dort freuten wir uns über die Jahreserste (Osterspitze = kein Modegipfel), schossen ein paar schöne Gipfelfotos und beendeten das erste Kletterwochenende des Jahres frohgemut und zufrieden.
(Frank T., 14.03.2026)






