Onkels, Nichten und ein Riss zuviel
Montagmorgen, draußen ist es grau und für November immer noch erstaunlich mild.
Ich sitze am Rechner im Homeoffice und habe nur mäßig Lust. Da erinnere Ich mich doch einfach an den fast komplett schönen Samstag in den Schrammsteinen.
Frisch ausgeruht nach einer, von nicht endenden Staus - wer denkt, das Reisverschlussverfahren sollte von den meisten Autofahrern beherrscht werden, ist ein armer Irrer - geprägten Freitagsanreise, stiefelten wir (Holger, Tom und Ich) kurz nach acht
frohen Mutes vom oberen Wanderparkplatz los in Richtung Schrammsteine und Wildschützensteig. Unser erstes Ziel sollte die Nichte sein. Dort nahm Ich den Bergweg in Angriff, eine gutmütige Kombination aus einem Kaminabstieg und drei Übertritten,
die besser gehen, als sie erscheinen. Zurück ging es per selbst eingerichteter Seilbahn - Dank Holger, für den der Gipfel schon im Atlas der verbrannten Erde stand.
Während Tom und Ich auf der Nichte rumturnten, schwärmte Holger schon von der schönen
Hessevariante des AWs auf den Onkel, in dem gerade eine vierköpfige Seilschaft zugange war. Nicht lang schnacken, Fels anpacken stieg Tom dann auch in den Weg, der sich fast ein zweites Sternchen verdient hätte. Gut griffige Kletterei in einer starken Linie mit etwas
technischem, jedoch gut lösbaren Anspruch im oberen Teil. Belohnt mit dem wunderbaren Schrammsteinausblick und auf den benachbarten absolut gruseligen Mutsprung von der Schrammsteinaussicht. Die Erstbespringer sind mittlerweile über siebzig Jahre alt.
Nach dem Onkel wollten Tom und Ich gleich noch die Tante besteigen – allein, als wir 30 m davor sind, binden sich gerade die 4 Bergkameraden ein, die vorher schon auf dem Onkel waren. Die Wegwahl hätte gepasst aber wir verzichten dennoch traurig,
da der Gipfel der Tante doch recht klein ist für zwei Seilschaften.
So ging es denn zum Schrammsteinwächter rüber. Tom liebäugelte mit dem Kamin-AW. Mir erschien die obere Variante zum Talweg mit ihrem, in einer Verschneidung liegendem Hangelriss als lohnendere Besteigung und Ich meldete mich als Vorsteiger an, womit meine beiden Begleiter einverstanden waren.
Dank der relativ scharfen Risskannte konnte Ich die erste Hälfte hauptsächlich im Piazstil erschließen und an den geeigneten Stellen das Legen von Ufos und gleichzeitiges Coolbleiben üben. Das ist nämlich mit ordentlich Luft unterm Hintern und fummeliger
Schlingenverlängerungsarbeit nicht nur entspannt - natürlich nur meine Meinung. Nach etwa 15 m ist der kräftige Teil des Wegs vorbei und er geht in eine gutmütige Kaminrampe über. Der Rest war Nachholen und Abseilen.
Die Sonne Stand schon tief, so dass Pläne für Neffe, Tante und ähnliches hoffnungsvoll (ob der nicht so schönen Wettervorhersage) auf Sonntag verschoben wurden.
Leider zerplatzten dann beim Abstieg noch vor dem Abzweig zum Wildschützensteig die Sonntagspläne mit einem hörbaren Knall an einem, unter Laub versteckten Stein, auf dem der arme Tom mit dem rechten Fuß einen perfekten Micha machte, also böse umknickte.
Die Hoffnung, dass es am nächsten Morgen wieder besser wäre, wurde enttäuscht. Zurück in Berlin stellten die Ärzte im Krankenhaus dann die Diagnose Bänderriss! Gute Besserung lieber Tom!
Danke Dir vielmals
Thomas Meyer






